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So funktioniert Muskeltraining in Corona-Zeiten

Stuttgart (dpa) - Ein Rucksack könnte in den kommenden Wochen für Sportsfreunde zum elementaren Utensil werden. Allerdings nicht als Transportbehälter auf kilometerlangen Märschen durch endlose Landschaften, sondern als Langhantelersatz in den eigenen vier Wänden.

Julian Haspel rät, möglichst viel Gewicht in den Tornister zu stopfen und damit Kniebeugen zu machen. Haspel ist Personal Trainer in Stuttgart. Die Corona-Krise ist für ihn kein Grund dafür, um Muskeln schwinden zu lassen. Er sagt: «Man kann sich auch zu Hause einiges an Trainingsgeräten zusammenbasteln.»

Nottraining in den eigenen vier Wänden

Knapp zwölf Millionen Fitnessstudio-Mitglieder verzeichnete der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen 2019 bundesweit. Als die Politik den Betrieb von Fitnessstudios wegen der Corona-Pandemie untersagte, dürfte einigen Körperoptimierungsjünger der Schweiß ausgebrochen sein: Was geschieht nun mit ihren aufopferungsvoll aufgebauten Bizepsen und Trizepsen? Waren all die Stunden zwischen Beinpresse und Kabelzugmaschine umsonst? Werden breite Kreuze nun zu dürren Hänflingen?

Für das Nottraining in den eigenen vier Wänden braucht man dem Tübinger Sportmediziner Andreas Nieß zufolge keine Ausrüstung. Krafttraining kann man seinen Angaben auch sehr gut mit dem eigenen Körpergewicht durchführen - etwa mit klassischen Liegestützen. Ebenso lasse sich die Kondition durch Traben auf der Stelle beibehalten.

Muskelmassen lassen sich nicht erhalten

Laut Nieß besteht aber ein Unterschied darin, ob den Sportlern am Erhalt der Fitness oder an einer speziellen Optik gelegen ist. Zumindest für jene, die im Spiegel gern gewaltige Muskelpakete sehen, brechen ohne das Wuchten von schweren Eisen schmalere Zeiten an: «Ein Bodybuilder wird damit rechnen müssen, dass er diese Muskelmassen natürlich nicht in vollem Maße erhalten kann», sagt Nieß.

Der Schwund der Masse geht fix: In der Regel fängt ein Muskel bereits nach einer trainingslosen Woche an zu schrumpfen, sagt Alexandros Stampoulidis. Er ist Vorsitzender des Baden-Württembergischen Bodybuilding- und Fitnessverbands und selbst Fitnessstudiobesitzer. Im Gegensatz zu Fitnessathleten ackern Bodybuilder seinen Angaben nach mit hohen Gewichten und wenigen Wiederholungen, um den Muskelaufbau zu erzwingen - manche bis zu sieben Mal pro Woche. «Die meisten haben schon ein Paar Hanteln im Internet ergattert, um den Schaden zu begrenzen», sagt er.

Dass sich nicht alle Fitnessfreunde nur mit den eigenen Armen und Beinen verausgaben wollen, spüren Sportartikelhändler wie Decathlon bereits. Zwar sind auch die rund 80 Filialen bundesweit im Zuge der Corona-Krise geschlossen, Online-Bestellungen sind aber möglich. «Gerade in der vergangenen Woche haben wir einen großen Anstieg an Fitnessgeräten für den häuslichen Gebrauch beobachtet», teilt eine Sprecherin mit.

Heben von Wasserflaschen-Sechserpacks

Laut kann ein Bizeps auch durch das Heben von Wasserflaschen-Sechserpacks wachsen. Seine Kunden wollen aber großteils abnehmen oder ihre Form verbessern. Mehr als ein Drittel von ihnen trifft er normalerweise im Fitnessstudio. Jetzt hat er ihnen Trainingspläne für Zuhause geschrieben - und macht regelmäßig Motivationsanrufe. Abwandeln musste Haspel auch sein gewohntes Outdoor-Gruppentraining. Dabei scheucht er sonst am Morgen Bewegungsfreudige die Treppen um den Stuttgarter Talkessel hinauf. Nun können sich die Sportler online kollektive Live-Trainingseinheiten ins Wohnzimmer holen.

Sportmediziner Nieß Hoffnungen meint ebenfalls: «Viele Menschen, die wir zum Trainieren animieren wollen, argumentieren häufig mit Zeitnot. Das funktioniert momentan nicht als Ausrede, weil man auch zu Hause durchaus etwas machen kann.»

Text: dpa / Bild: Britta Pedersen (dpa) (30.03.2020)

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