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Tasse, Schwamm, Slip: Nachhaltige Periodenprodukte im Check


Bild: Christin Klose/dpa-tmn/dpa

Tampon oder Binde? Dass man sich während der Periode nur zwischen Produkten entscheiden kann, die nach der Benutzung Müll sind - das war einmal. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl wiederverwendbarer Periodenprodukte auf dem Markt.

Doch welches passt zu mir? Das eine Produkt, das für jede perfekt funktioniert, das gibt es nicht. Jedes Mädchen, jede Frau muss selbst herausfinden, welches am besten zu ihr passt. Zwei Gynäkologinnen geben einen Überblick über drei nachhaltigere Periodenprodukte und was bei ihrer Benutzung wichtig ist:

Möglichkeit 1: Die Menstruationstasse

Wie funktioniert's?

Die Menstruationstasse ist ein kleiner Becher, meistens aus Silikon, der in die Vagina eingeführt wird. Dort sitzt die Tasse - Unterdruck sei dank - fest und fängt das Menstruationsblut auf.

Um die Tasse einzuführen, muss sie vorher gefaltet werden, was auf der Verpackung oder in der Anleitung im Detail erklärt ist. Der Klassiker ist dabei die C-Faltung. Dabei wird die Tasse flach zusammengedrückt und dann in die Form des Buchstabens geknickt.

Auch wenn es einem erst einmal kompliziert vorkommen mag: Nach einer kurzen Übungsphase sollte sich die Tasse mühelos einführen lassen, so die Gynäkologin Stephanie Eder vom Berufsverband der Frauenärzte (BVF).

Die Tassen können so lange verwendet werden, bis das Material porös geworden und Risse bekommen hat - dann sollten sie ausgetauscht werden. Bis das passiert, kann es Jahre dauern, so die Gynäkologin Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin.

Sinnvoll ist auch ein Blick auf die Angaben des jeweiligen Herstellers: Einige empfehlen, die Tasse jährlich zu wechseln, andere geben an, dass eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahren möglich ist.

Was muss ich bei der Benutzung beachten?

Mandy Mangler empfiehlt, die Menstruationstasse nach vier bis sechs Stunden auszuleeren. Die Tragedauer kann jedoch auch nach Größe der Tasse und der individuellen Blutungsstärke variieren. Spürt man, dass die Tasse voll ist, sollte man sie auch früher herausnehmen. Und dann? Nach dem Ausleeren sollte man die Tasse abspülen, ehe sie wieder eingesetzt wird, so Mangler.

Will man sie richtig gründlich reinigen, geht das, indem man die Tasse für 10 bis 20 Minuten in einen Topf mit kochendem Wasser legt. Das sollte spätestens nach jeder Periode erfolgen, um die Menstruationstasse hygienisch zu halten. Wer sich wohler damit fühlt, die Tasse nach jedem Tragen auszukochen, kann sich mehrere Tassen zulegen, um dann wechseln zu können.

Menstruationstassen zeichnen sich laut Mandy Mangler durch ihre Umweltfreundlichkeit und ihren Preis aus. Einige Modelle sind schon für wenige Euro zu haben. Und die Gynäkologin sieht noch einen Vorteil: Mit diesem Periodenprodukt lässt sich das eigene Menstruationsblut hinsichtlich Menge, Konsistenz und Geruch gut beobachten. Das bietet eine Möglichkeit, den eigenen Zyklus besser zu verstehen und potenzielle Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen.

Einen Nachteil hat die Tasse allerdings - und zwar dann, wenn man unterwegs ist und öffentliche Toiletten nutzt. Nicht jede fühlt sich wohl damit, vor den Augen anderer die Menstruationstasse auszuspülen. In solchen Situationen greifen laut Stephanie Eder einige Frauen auf Feuchttücher zurück, um die Tasse in der Toilettenkabine zu reinigen, was dann allerdings wieder Müll verursacht.

Möglichkeit 2: Der Menstruationsschwamm

Wie funktioniert's?

Vom Grundgedanken her wie ein Tampon: Menstruationsschwämme werden in die Vagina eingeführt, füllen sich dort mit Menstruationsblut. Es gibt natürliche und künstliche Schwämme: Von Naturschwämmen rät Mandy Mangler allerdings generell ab, da diese schnell bröckeln können.

Was muss ich bei der Benutzung beachten?

Den Schwamm empfinden so einige Frauen als angenehm zu tragen. Und er hat noch einen Vorteil: Er stört nicht beim Geschlechtsverkehr, so Mangler. Tampons hingegen müssen vor dem Sex raus, Menstruationstassen oft auch.

Die Schwämme können für ungefähr vier bis sechs Stunden getragen werden, danach werden sie ausgedrückt, unter fließendem Wasser ausgespült und sind wiederverwendbar. Ein Menstruationsschwamm kann genutzt werden, bis er kaputt ist.

Worauf man sich aber einstellen muss: Das Entfernen kann etwas komplizierter sein. Denn ein Rückholbändchen wie beim Tampon oder einen Griff wie bei der Tasse gibt es nicht. Die Gynäkologin Stephanie Eder betrachtet den Menstruationsschwamm zudem nicht als optimale Lösung, weil noch Erkenntnisse zum Infektionsrisiko fehlen. Und wie bei der Tasse gilt: Auch die Handhabung des Schwamms kann unterwegs umständlich sein.

Möglichkeit 3: Periodenunterwäsche

Wie funktioniert's?

Bei Periodenunterwäsche handelt es sich um Slips mit einer eingearbeiteten, saugfähigen Schicht im Schrittbereich. Dicke, sperrige Einlagen muss man sich darunter aber nicht vorstellen. Eder zufolge gibt es «inzwischen ganz dezente Unterhosen», die sehr angenehm zu tragen sind. Sie sehen von außen oft gar nicht wie Periodenunterwäsche aus.

Was muss ich bei der Benutzung beachten?

Je nach Stärke der Menstruation kann man eine Unterhose laut Mandy Mangler einen ganzen Tag lang tragen. Danach muss sie in die Wäsche. Das heißt: Wer auf Periodenslips umsteigt, muss sich gleich mehrere Exemplare anschaffen, was zu Beginn eine größere Investition darstellt. Ein Slip kostet meist zwischen 15 und 40 Euro.

Auch für Periodenunterwäsche gilt, dass sie getragen werden kann, bis sie kaputtgeht. Dies kann laut Mangler je nach Waschfrequenz und Intensität der Blutung eine beträchtliche Zeit dauern.

Periodenunterwäsche hat den Vorteil, dass man sie länger am Stück tragen kann als andere Produkte. Daher eignet sie sich besonders gut für den nächtlichen Gebrauch oder unterwegs, wie Stephanie Eder betont. Dennoch sollte auch Periodenunterwäsche nicht länger als 12 Stunden getragen werden.

Die Gynäkologin hat noch einen Tipp für den Kauf: prüfen, ob Biozide in die Saugschichten der Periodenunterwäsche integriert sind. Stoffe wie Silberchlorid und Zinkpyrithion nutzen die Hersteller, um Gerüche und die Vermehrung von Bakterien zu unterbinden. Doch: Noch ist unklar, ob sie ein Gesundheitsrisiko darstellen, etwa zu Hautirritationen, einer veränderten Bakterienflora oder anderen Problemen führen können. Daher empfiehlt Eder, am besten Unterwäsche aus Baumwolle und ohne potenziell gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe zu tragen. Sie sind für die meisten gut verträglich.


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(16.05.2024)


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